Hamburger Fortbildungsreihe Psychotherapie

Veranstaltet vom Michael-Balint-Institut für Psychoanalyse, Psychotherapie und analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (MBI) und dem Adolf-Ernst-Meyer-Institut

Fortbildungsreihe_19

Seit dem Jahr 1986 lädt die „Hamburger Fortbildungsreihe Psychotherapie“ Psychotherapeut*innen, Psychoanalyti­ker*innen, Ärzt*innen und Geisteswissenschaftl er*innen zu regelmäßigen Vorträgen mit Diskussion ein.
Die Vorträge vermitteln den „state of the art“ in der psychoanalytisch begründeten Psychotherapie und Psychoanalyse. Tradiertes Wissen und vor allem neu entwickelte Einsichten und theoretische Konzeptuali­sierungen werden mit den Erfordernissen und Heraus­forderungen sowohl der täglichen Arbeit in Klinik und Praxis, der Fortentwicklung der Medizin und mit allgemeinen gesellschaftlichen Veränderungen in Beziehung gesetzt.
Die Vorträge finden Mittwochsabend im Semester statt.

 

Mittwoch, der 19. April 2023

Dipl.-Psych. Delaram Habibi-Kohlen, Bergisch Gladbach
Klimakrise als Gesellschaftskrise – eine Herausforderung für die Psychoanalyse

In diesem Jahr haben wir wieder mit Dürre, Waldbränden, Überflutungen und massenweisen Existenzvernichtungen zu kämpfen. Zudem erschrecken uns das Zerbröckeln demokratischer Strukturen und der Ukraine-Krieg. Der Ruf nach gesellschaftlicher Transformation wird lauter. Zugleich persistiert das Festhalten am Gewohnten, weil alles andere zu niederschmetternd scheint. Was kann Psychoanalyse einer Gesellschaft bieten, die sich zwischen apokalyptischen Ängsten, einem um sich greifenden Rückzug und einer zunehmenden und polarisierenden Aggressivierung befindet? Die kulturell entstandenen Abwehrmechanismen, die uns an einer adäquateren Realitätsverarbeitung hindern wie gesellschaftliche und individuelle Transformationsmöglichkeiten werden beleuchtet.

 

Mittwoch, der 28. Juni 2023

Prof. Dr. Angelika Ebrecht-Laermann, Berlin
Über die allmähliche Wandlung von Angst in Schrecken. Wie sich Erfahrung und Bedeutung von Angst angesichts der Bedrohung durch Krieg und Corona verändern

In der interaktiven Vorlesung möchte ich zu beschreiben und zu verstehen suchen, wie sich Dynamik und Struktur des Angsterlebens im Kontext der Bedrohungen durch den russischen Angriffskrieg und die Coronakrise verändern und welche Funktionen diese Veränderungen individuell wie kollektiv haben. Meine Ausgangsthese ist, dass sich der Angstaffekt durch die Auswirkungen realer Paranoia und unkalkulierbarer Bedrohung von einem Signal innerer oder äußerer Gefahr zu einem Anzeichen von Schreckund Schreckenserwartung gewandelt hat. Es bleibt anzunehmen, dass diese Wandlung auch aktuell noch die individuelle wie auch gesellschaftliche Orientierungsfunktion von Angst bedroht.


Vorträge für die interessierte Öffentlichkeit, 20:30 - 22:00 Uhr im Hörsaal der Augenheilkunde, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, W 40, Martinistr. 52, 20246 Hamburg.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.